18.07.2017
Entscheidungsgrundlagen schaffen, Stadtgeschichte aufarbeiten

Die Stadtratfraktion der Freien Wähler Moosburg stellt einen Antrag an den Stadtrat: In den zurückliegenden Wochen und Monaten wurde kontrovers über die Neugestaltung unseres Planes diskutiert. In diesen Diskussionen, die u.a. verdeutlicht haben, dass ein adäquater Ersatz der am Plan wegfallenden Stellplätze unverzichtbar ist, wurde von vielen Seiten auch wieder die Möglichkeit einer Tiefgarage unter einem neu gestalteten Plan angeregt.

Dabei waren leider viele Äußerungen von verschiedenen Seiten von Emotionen geprägt. Wirkliche Sachargumente gegen den Bau einer Tiefgarage konnten jedoch, nicht zuletzt aufgrund mangelnder Kenntnisse über die tatsächlichen Gegebenheiten der vorliegenden Archäologie, von keiner Seite befriedigend eingebracht werden.

 

Bei einer Bohrkernuntersuchung aus dem Jahre 2015, wurden 25 Bohrungen mit einer Bohrtiefe von zwei bis zwölf Metern gesetzt.

Die dazu vorliegende geotechnische Stellungnahme zum Untergrundaufbau der Schauhütte-Archäologie kommt zu dem Ergebnis, dass die Bodenschicht unterhalb der Asphaltdecke aus einem aufgefüllten Gemisch: "kiesig, sandig, schluffig, Kohlereste, Ziegelreste" besteht. Diese Bodenschicht ist unterschiedlich dick, sie reicht bis in eine Tiefe von 0,30 Metern (bei Bohrung 8) und maximal bis 1,4 Meter (bei Bohrung 4). Hierbei dürfte es sich um die eingeebneten Überrester der "Burg von Moosburg" handeln.

 

Unterhalb dieser Schicht wurde in allen Bohrkernen "Sand, stark schluffig / Sand, kiesig / Kies, stark sandig" festgestellt. Es wurden keinerlei Hinweise auf Fundamente, Gänge, menschliche Knochenreste, Goldschätze oder Sonstiges gefunden. Lediglich bei Bohrung 1 wurde nach 0,7 Metern ein Hohlraum gefunden, der bis in eine Tiefe von 11,70 Metern reicht, hierbei handelt es sich vermutlich um einen bereits bekannten Brunnen in der Nähe der Johanneskirche.

 

Die im vergangenen Jahr durchgeführte flächige "Untersuchung mittels Georadar zur Ortung und Lagebestimmung eventuell verbliebener Fundamentstrukturen untermauert die Ergebnisse der Bohrkernuntersuchung. Auch bei dieser Methode wurde bis in eine Tiefe von 0,6 Metern eine hohe Reflektivität (dies entspricht vermuteten Fundamentstrukturen) vorgefunden, welche sich stetig verringert und nach 1,3 Meter nahezu zum erliegen kommt. Nach 1,6 Metern ist auf dem zentralen Platz nahezu keine Strukturierung mehr erkennbar. Diese Radaruntersuchung wurde bis in eine Tiefe von 3,4 Metern durchgeführt.

 

Wie uns allen bekannt ist, sollen nun Bürgerentscheide durchgeführt werden, bei denen sich die  Bürger u.a. für oder gegen den Bau einer Tiefgarage im Zuge der Neugestaltung des Planes entscheiden sollen. Wie aber sollen Bürger oder Politik eine Sachentscheidung treffen, wenn weder uns Kommunalpolitikern, noch den Fachleuten des Landesamtes für Denkmalpflege bekannt ist, wie das Bodendenkmal "D-1-7537-0135" in Wirklichkeit beschaffen ist. Die Denkmalliste vermerkt zu Art, Struktur und Alter der hier vermuteten archäologischen Quellen lapidar: "Untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Siedlungsteile des historischen Stadtkerns von Moosburg a. d. Isar".

 

Wie oben bereits aufgeführt, konnten die bisherigen Untersuchungen Gerüchte und Spekulationen von unterirdischen Gängen, Kellern, Gräbern, oder der Gleichen weder bestätigen, noch widerlegen.

 

Wir beantragen daher, möglichst zeitnah, auf dem Plan archäologische Grabungen in einem Umfang von ca. 100 Quadratmetern zur endgültigen Klärung der offenen Fragen und der Schaffung einer fundierten Entscheidungsgrundlage durchzuführen. Die Grabungsstellen sollen nach den bisher vorliegenden Untersuchungen von Experten bestimmt werden. Die Grabungstiefe soll nach der vorgefundenen Archäologie bis zur maximalen Tiefe einer eingeschossigen Tiefgarage durch die Experten festgelegt werden.

 

Vorteile dieser notwendigen Vorgehensweise:

1. Eine maximale Fläche von 100 Quadratmetern ist kostenmäßig überschau- und verantwortbar.

 

2. Durch die gewonnenen Erkenntnisse sind die Kosten für eine eventuelle Gesamtmaßnahme kalkulierbar, es muss darüber nicht mehr spekuliert werden.

 

3. Das Ergebnis dieser Untersuchung bietet Bürgern und Politik eine fundierte Entscheidungsgrundlage für oder gegen eine Unterkellerung des Plans.  

 

4. Bodenuntersuchungen müssten ohnehin für den geplanten oberirdischen Ausbau baldmöglichst in Angriff genommen werden. Die daraus resultierenden Erkenntnisse sind auch hierfür unverzichtbar.

 

5. Wir sollten die einmalige Chance nutzen, die Geschichte unserer Stadt mit dieser Maßnahme ein Stück zu erkunden und mögliche historische und archäologische Funde der Öffentlichkeit  zugänglich machen.

 

 

Die Neugestaltung des Planes soll den Anfang einer umfassenden Innenstadtsanierung darstellen. Da wir möglichst zeitnah, vor allem auch das unliebsame Kopfsteinpflaster in der Herrnstraße, dem Weingraben und am Stadtplatz ersetzen müssen, ist es uns Freien Wählern wichtig mit der vor uns liegenden Maßnahme "Neugestaltung des Plans", möglichst bald zu beginnen und diese zum Abschluss zu bringen.

 

Wir beantragen, die oben angeführten Vorarbeiten baldmöglichst, wenn irgendwie möglich noch in diesem Herbst, durchzuführen, damit die Innenstadtsanierung zeitgemäß und damit barrierefrei und zur Förderung der Aufenthaltsqualität in unserer liebenswerten Einkaufsstadt Moosburg voranschreiten kann.

 

Mit freundlichen Grüßen

Josef Dollinger / Ludwig Kieninger / Johann Reif / Thomas Grundner

 

Hier finden Sie dazu auch die Berichterstattung der Moosburger Zeitung: